Die Dechenhöle

Im Zweiten Weltkrieg dienten die westlichen Teile der Dechenhöhle und die Wolfsschlucht als Luftschutzräume für die örtliche Bevölkerung. Nach dem Krieg erlebte die Dechenhöhle dann ihre touristische Blütezeit. 1951 besuchten über 322.000 Menschen die Tropfsteinwelt in der Grüne. Die Besucherzahlen ließen nach der Eröffnung der A 45 und zunehmender Konkurrenz durch andere Höhlen und Freizeiteinrichtungen in den 1970er Jahren stark nach. 1980 kamen noch etwa 120.000 Besucher. Ein Jahr zuvor wurde am Höhlenparkplatz das Höhlenmuseum der Studiengemeinschaft für Vorgeschichte und Höhlenkunde eröffnet, die Keimzelle für alle musealen Aktivitäten rund um die Dechenhöhle.

Schon 1976 gründeten heimische Höhlenforscher, unter ihnen der Student und Höhlenführer Elmar Hammerschmidt die Speläogruppe Letmathe. eisenbahnerDiese Gruppe wurde zur Triebfeder für die nun wieder stark zunehmenden Forschungsaktivitäten rund um die Dechenhöhle. Als 1983 die Deutsche Bundesbahn die Dechenhöhle in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) für 975.000 DM zum Verkauf anbot, war es Elmar Hammerschmidt, der sich an die Spitze einer Bürgerbewegung setzte, die dafür eintrat, die Dechenhöhle in öffentlicher Trägerschaft zu belassen. Schon 1868 schrieb Fuhlrott, dass man Ursache hat, „sich über die Gunst des Zufalles zu freuen, der die Höhle nicht zum Eigenthum eines vielleicht unbemittelten Privatmannes hat werden lassen.“ Manch andere wunderschöne Tropfsteinhöhle wurde nach der Entdeckung ausgeplündert. Dieses Schicksal sollte der Dechenhöhle auch in der Zukunft erspart werden. Dazu war es aber erst einmal nötig, dass die Höhle unter staatlichen Schutz gestellt würde. Dies beantragte die Dechenhöhle 1983 in einem aufsehenerregenden Leserbrief selbst, „abgelauscht und getreulich notieret von Elmar Hammerschmidt, Führer an der Dechenhöhle“. Am 28.11.1984 wurde die Dechenhöhle schließlich in die Denkmalliste der Stadt Iserlohn eingetragen. Die Bürgerbewegung erreichte schließlich, dass die Höhle nicht an einen privaten Träger verkauft wurde, sondern über die stadt- und kreiseigene Mark-Sauerland Touristik GmbH in öffentlicher Hand blieb. Als Höhlenpächter konnte Elmar Hammerschmidt gewonnen werden, der innerhalb kurzer Zeit die Wirtschaftlichkeit des Höhlenbetriebes wieder herstellen konnte.

Weitere Forschungen und eine neue Vermessung der Höhlengänge ließen die Gesamtlänge der Dechenhöhle bis heute auf knapp über 900 m ansteigen. dechenhoehle3Der Autor dieser Zeilen stieß 1981 zur Speläogruppe Letmathe und gehörte als 15jähriger Schüler zusammen mit anderen jungen Leuten zu den ersten Höhlenführern des neuen Betriebes. Gemeinsam wurden Höhlentagungen organisiert und ab dem Ende der 1980er Jahre kam es zu einer beispiellosen Entdeckungsphase, im Zuge derer die Länge aller bekannten Höhlen in der Umgebung der Dechenhöhle auf über 20 km anwuchs. Das wissenschaftliche Interesse an der Dechenhöhle und den anderen neuen Höhlen war endlich wieder erwacht und mit Prof. Dr. Detlev K. Richter von der Ruhr-Universität Bochum fand sich ein ebenso höhlenbegeisterter Mitstreiter. Seit 1999 wird in enger Kooperation mit dem Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik der Bochumer Hochschule in der Dechenhöhle und Umgebung geforscht und gegraben. Mittlerweile ist die Dechenhöhle auch das Ziel wissenschaftlicher Untersuchungen der Universitäten in Heidelberg, Mainz oder Innsbruck. Ein wichtiges Ziel der Untersuchungen ist dabei auch die Rekonstruktion des Klimas im Eiszeitalter.
2001 gründete sich der „Förderverein Dechenhöhle und Höhlenkundemuseum e.V.“, der mit großem Erfolg durch bürgerschaftliches Engagement Zugänge zu Fördertöpfen erschließt. 2006 konnte er schließlich mit großartiger Unterstützung der „Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege“ sowie der Sparkasse Iserlohn und der Mark-Sauerland-Touristik GmbH in den Räumen der ehemaligen Gaststätte das Deutsche Höhlenmuseum Iserlohn einrichten. Damit befindet sich an der Dechenhöhle ein Zentrum für Höhlenforschung in Deutschland.

Der Förderverein versucht ein wenig zu kompensieren, was bei kommunalen Museen und Einrichtungen selbstverständlich ist: Die Förderung einer Kultureinrichtung durch öffentliche Gelder. Der Betrieb der Dechenhöhle erfolgte bislang ohne Zuschüsse. Dies ist seit vielen Jahren durch großen Einsatz und zahlreiche Sonderveranstaltungen möglich: Weihnachtliche Führungen mit Musik, Laternenführungen zu St. Martin, Kindergeburtstage, Konzerte und 2011 erstmals die Kunstveranstaltung „Höhlenlichter“. Trotzdem kommen bedingt durch den demographischen Wandel der Bevölkerung sowie die Konkurrenz neu geschaffener und subventionierter Kultur- und Freizeiteinrichtungen immer weniger Besucher in das „unterirdische Zauberreich des Sauerlandes“.

Mit dem Ausscheiden von Elmar Hammerschmidt übernahm 2011 der Autor die alleinige Betriebsführung, unterstützt von den langjährigen Mitarbeitern Rasmus Dreyer und Dr. Jörg Nolte. Das Ziel ist, die Dechenhöhle und das Deutsche Höhlenmuseum als überregionalen außerschulischen Lernort und Kulturstätte auszubauen. Gerade in Zeiten, wo Kinder und Jugendliche zunehmend den Kontakt zur Natur verlieren, besteht unsere Verantwortung darin, die besonders wertvollen Naturobjekte für alle als „Natur-Museen“ erlebbar zu erhalten!

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