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Der
Blindgänger
von
Werner Fleischer
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Sprengung eines Blindgängers in der Nähe von Letmathe |
So wird eine Bombe genannt, die
beim Aufprall auf die Erde aus irgendeinem Grund nicht explodiert
ist. Als in Lössel während des 2. Weltkriegs Bomben und Luftminen
gefallen sind, sollten wir Schulkinder gefundene Stahlteile (Bombensplitter)
zur Schule mitbringen für die Altmaterialverwertung. Auf dem Nachhauseweg kam ich an den
Bombentrichtern auf der Wiese am Kühlenberg und im Wald, auf dem Ossenberg vorbei. Hier schaute
ich mich um, fand aber nichts. Als ich dabei war, zu unserem
Grundstück Emberg bei Lössel zu gehen, sah ich durch den
Buchenhochwald hindurch auf dem Nachbarland, das dem Bauern
Dickhage, Saat, gehörte, ein von Sonnenstrahlen reflektiertes Teil.
Ich ging dort hin und freute mich, ein abgerundetes Eisenteil
gefunden zu haben, das in aufgewühlter Erde lag. Mit Fingerkraft und
mittels meiner Schuhe schaffte ich es nicht, es zu bergen. Wie würde
sich der Lehrer Schorfheide freuen, wenn ich solch ein besonders
großes Eisenstück, das sicher von einer Bombe stammte, abliefern
würde. Ich beschloß noch vor dem Mittagessen mit einer Spitzhacke,
die ich ohne es der Mutter mitzuteilen, aus unserem Geräteschuppen holte, dieses Eisenteil zu bergen.
Gesagt - getan, ich wühlte und kratzte das Erdreich beiseite in
westlicher Richtung. Hier stieß ich auf ein aufrecht stehendes Eisenteil und ahnte, dass es
ein Bombenflügel sein konnte, an dem ich herumgewerkelt hatte. Jetzt
lief ich aber schnell zur Mutter und berichtete ihr. Nach dem Essen
gingen wir zusammen zum Bauern und Erzählten von meinem Fund.
Am nächsten Tag kam ein Bombenräumkommando, die einen Blindgänger freilegten und
ihn entschärften. Sie zogen ihn dann auf die nahe Wiese, wo
er noch mehrere Tage lag, bevor der Abtransport geschah.
Ich kann
mich nicht entsinnen, dass mir für die Meldung dieses Fundes ein
Dank ausgesprochen wurde, wahrscheinlich weil so etwas die
Ehrensache eines damaligen
„Jungvolkjungen" zu sein hatte.
Meine Mutter hat
Gott im Gebet Dank gesagt, dafür, dass er meine Hände geführt hat,
mit der Spitzhacke nicht in östlicher Richtung gebuddelt zu haben
auf die Bombenspitze zu. Dann hätte sie mich, nachdem sie in der
nahen Vergangenheit ihren 2. Sohn durch Bombeneinwirkung in diesem
schrecklichen Krieg verloren hatte, auch hingeben müssen. Andere
Kinder in der Gemeinde Lössel haben beim Hantieren mit Granaten bei
Kriegsende Teile ihres Körpers verloren oder sind schwer beschädigt
worden. Als späterer Krankenpfleger habe ich bei vielen Erwachsenen
und Kindern helfen können, durch Pflege, Behandlung und Gespräche,
Vertrauen und neuen Lebensmut zu
bekommen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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